Die Luft riecht schon nach Schnee

Von Sarah Kirsch

Trägt langes Haar, ach der Winter, der Winter der uns

Eng zusammenwirft steht vor der Tür, kommt

Mit dem Windhundgespann. Eisblumen

Streut er ans Fenster, die Kohlen glühen im Herd, und

Du Schönster Schneeweißer legst mir deinen Kopf in den Schoß

Ich sage das ist

Der Schlitten der nicht mehr hält, Schnee fällt uns

Mitten ins Herz, er glüht

Auf den Aschekübeln im Hof Darling flüstert die Amsel.

Das Gedicht von Sarah Kirsch wird erstmals 1967 im Band „Rückenwind“ veröffentlicht, und es vereint in seinen fließenden Versen die Ankunft des Winters und die Erwartung eines Abschieds. Es geht um Kälte und Wärme, Vergänglichkeit und Geborgenheit. Das geflüsterte Wort „Darling“ weist darauf hin. „Die Luft riecht schon nach Schnee“ ist eines der schönsten Liebesgedichte der Dichterin, die 1935 im Südharz geboren wurde und 2013 gestorben ist. Ihre kostbaren Zeilen werden wohl für immer in unseren Herzen bleiben.

Ausgesucht von Juliane Sattler-Iffert

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