Frauen am hessischen Fürstenhof: 16. – 19. Jahrhundert

Die Idee zu diesem Buch entstand beim Kaffeetrinken mit Freunden vom Eschweger Geschichtsverein. „Wir wäre es, wenn Deine Aufsätze der letzten zwanzig Jahre über die Frauen am hessischen Fürstenhof in einem Sammelband zusammengefasst würden? Er könnte dann als Sonderband der Eschweger Geschichtsblätter erscheinen.“ Dann wäre alles, was seit 2005 in den verschiedenen Zeitschriften erschienen ist, in einem Band zusammengefasst; ich war begeistert. Dieser Band würde dann an mein 2004 erschienenes Buch über Frauen aus dem Umfeld des Kasseler Fürstenhofes, das zehn Aufsätze enthält, anknüpfen. Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts habe ich angefangen, über historische Frauen zu schreiben. Dazu muss ich sagen, dass ich mich immer für das Leben von Frauen interessiert habe und auch von der Frauenbewegung der siebziger/achtziger Jahre geprägt bin. Wahrscheinlich ist mir deshalb bei meiner Arbeit in der Hessischen Abteilung der Universitätsbibliothek Kassel besonders aufgefallen, dass Frauen in der historischen Literatur ziemlich unterrepräsentiert sind. So gibt es in den beiden großen Chroniken zur Tausendjahrfeier der Stadt Kassel im Jahre 1913 kein eigenes Kapitel für die drei hessischen Fürstregentinnen Anna von Mecklenburg (1485 – 1525), Hedwig Sophie von Brandenburg (1623 – 1683) und Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg (1602 – 1651), obwohl sie sehr erfolgreich die Regentschaft für ihre minderjährigen Söhne geführt haben. Sie werden nur in einem größeren Zusammenhang erwähnt.

Wenn schon etwas über Frauen geschrieben worden ist, dann sind sie von den Historikern im Stil der Zeit, mit ihren gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen beurteilt worden. Das wollte ich versuchen zu ändern. Ich wollte ihr Leben mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen, nämlich denen von Frauen des 20./21. Jahrhunderts erforschen und beschreiben. Ich bin immer von der Frau ausgegangen und habe mich in die politischen, gesellschaftlichen und familiären Zusammenhänge der jeweiligen Zeit eingelesen. Wenn es möglich war, habe ich die Orte aufgesucht, an denen sie gelebt haben. An diesen Orten hatte ich oft eine Eingebung, die ich ohne diese Aufenthalte vorher nicht hatte. Es war für mich immer spannend zu sehen, wie sie ihr Leben gelebt und gestaltet haben. So privilegiert sie scheinbar waren, so hatten auch sie ihre Probleme, die sie unterschiedlich gelöst haben – oder auch nicht.

Als ich damals angefangen habe, war diese Art, über Frauen zu schreiben, ziemlich neu – jetzt allerdings nicht mehr. Im Vergleich zu den Historikern des 18. oder 19. Jahrhunderts hatte ich öfter ein anderes Ergebnis, d.h. die Frauen erscheinen in einem anderen Licht. Meine Hoffnung war (und ist es noch), dass sich im Laufe der Zeit auch in der Geschichtsschreibung das Bewusstsein ändert und die Frauen anders wahrgenommen werden, dass gesehen wird, wieviel sie geleistet haben trotz aller Zwänge, unter denen sie lebten.

Nachdem der Gesamtvorstand des Eschweger Geschichtsvereins seine Zustimmung zu der Veröffentlichung gegeben hatte, die Dateien von den einzelnen Zeitschriftenredaktionen angefordert waren, der zwölfte Aufsatz geschrieben, die Fotos beisammen und die Bildrechte überprüft waren, konnte in der Redaktion der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 1834 e.V. das Buch gestaltet und der Druck vorbereitet werden. Nach zwei Korrekturgängen ging das Manuskript in die Verlagsdruckerei nach Heiligenstadt. Für mich war es auch interessant, an allen Arbeitsschritten beteiligt zu sein und damit ein Mitspracherecht zu haben, was normalerweise nicht der Fall ist. Wie wird nun das Ergebnis sein? Wird es meinen/unseren Vorstellungen entsprechen? Als es nach vierzehn Tagen ausgeliefert wurde, war niemand enttäuscht und mir hat es wirklich gut gefallen. Gut gefallen – obwohl es teilweise sehr arbeitsintensiv war – hat mir auch die Zusammenarbeit mit allen an diesem Projekt Beteiligten, mit den Herausgebern Dr. Karl Kollmann und York-Egbert König, mit Dr. Jochen Ebert, der die Gestaltung und den Satz übernommen hat, mit Kristin Doeppner, die die Buchpräsentation in der Stadtbibliothek moderiert und mit Vanessa Weber, die einen der Texte gelesen hat. Nicht zuletzt geht ein Dank an die Stadtbibliothek, die wie immer professionell unterstützt und ganz wichtig, den Raum zur Verfügung gestellt hat.

buch cover sabine köttelwesch

Text: Sabine Köttelwesch

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