Gedicht zum Frühling – ausgesucht von Juliane Sattler-Iffert

Frühling
Theodor Fontane
Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
“Er kam, er kam ja immer noch”
Die Bäume nicken sich‘s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt; “Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.”

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag‘s auch du.

Ja, er kommt, auch wenn er noch ein bisschen zögert, es noch ein wenig kühl ist. Frühling ist Vorfreude, Ahnung, Versprechen. Das Gedicht von Theodor Fontane (1819-1898), lässt diese erwartungsvolle Stimmung aufleuchten. Der Frühling steht für einen Neuanfang, und die Bäume ermutigen sich in diesem Gedicht selbst, die Winterruhe zu beenden. Hier sind sie Stellvertreter. Denn die Natur, der müde Apfelbaum, fordert uns zu einem Neuanfang auf. „Herze, wag´s auch Du“. Theodor Fontane gilt als wichtigster Vertreter des literarischen Realismus, bekannte Werke von ihm sind die Romane „Effi Briest“ und „Der Stechlin“.

gewächshaus foto sonja rossettini

Foto: © Sonja Rossettini

Veröffentlicht in unserer Kategorie

Hinterlassen Sie einen Kommentar