Herbstbild von Christian Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Christian Friedrich Hebbel war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler. Er lebte von 1813-1863. Hebbel hat dieses Gedicht im Oktober 1852 in Wien geschrieben. Er war 39 Jahre alt. Vielleicht war er schon von der Erfahrung der Vergänglichkeit berührt.
Ausgesucht von Juliane Sattler-Iffert: Ich habe dieses Gedicht von Hebbel gewählt, weil es ein wunderschönes Herbstgedicht ist. Kein Sturm reißt, kein Wind zerrt, die Früchte fallen von selbst, weil sie reif sind. Das ist Loslassen ohne Gewalt. Man kann von Bäumen lernen.

Das ist der Baum 303 im Bergpark Wilhelmshöhe. Das Bild der Platane entstand am 5. Oktober 2019. Foto: Juliane Sattler-Iffert