Schloss Muskau und Park
„Der höchste Grad landschaftlicher Gartenkunst ist nur da erreicht, wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form zu sein scheint.“ (Fürst Pückler, „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“, 1834)
Es sind nur 45 km von Schloss Branitz bis Bad Muskau, dem letzten Highlight unserer Exkursion. Inspiriert durch Fürst Pückler-Muskaus Englandreisen entstand hier beidseits der Neiße in der Zeit von 1815 bis 1845 ein einzigartiger Landschaftsgarten im englischen Stil, für den er bis heute gefeiert wird. Doch ohne seine Frau Lucie von Pückler, einer, wie wir bereits in Branitz erfuhren, klugen, durchsetzungsstarken und auch gestalterisch prägenden Frau, hätte es Park und Landschaftsgestaltung in Muskau wohl nicht gegeben.
An diesem Tag, blauer Himmel, die Sonne scheint, erwarten uns vorm prachtvollen Neuen Schloss bereits zwei Führer, die uns in zwei Gruppen durch den Park begleiten werden.
Einleitend informiert Herr Mertingk unsere Gruppe über die Baugeschichte des als dreiflügelige Anlage im Neo-Renaissance-Stil erbauten Schlosses. Ende April 1945 durch Brandstiftung zerstört, blieb es in der DDR eine Ruine, von 1995 bis 2013 erfolgten Wiederaufbau und Sanierung.
Über den Pleasure Ground vorm Schloss erreichen wir den Marstall, den Küchengarten, die Schlossgärtnerei und die Orangerie. Hier erfahren wir, dass Hermann von Pückler-Muskau, der grüne Fürst, ein leidenschaftlicher Liebhaber der Ananas war und die seltene und kostbare Frucht im 19. Jahrhundert in den Gewächshäusern seiner Gärtnereien züchtete, auch um sie als glanzvolles Präsent für von ihm verehrten Damen der Gesellschaft zu nutzen.
Weiter führt unser Weg über Wiesen, entlang sanft modellierter Ufer, Wasserflächen spiegeln den Himmel. Ab und an werden wir auf Sichtachsen aufmerksam gemacht, etwa die vom Pücklerstein zum Neuen Schloss und direkt ins Wohnzimmer des Fürsten führende.
Wir erreichen die Doppelbrücke, die über die Lausitzer Neiße führt, in deren Mitte die Grenze zu Polen verläuft. Seit 2003 sind beide Teile des Parks wieder miteinander verbunden, und im Juli 2004 wurde der Muskauer Park/Park Mużakowski als länderübergreifendes Projekt zum Unesco Welterbe erklärt.
Über die blaue Brücke, erbaut 1826, erreichen wir den Herrengarten. Vorher macht Herr Mertingk uns auf eine Badestelle aufmerksam, die von Lucie und dem Fürsten wohl bisweilen benutzt wurde. Im Herrengarten beeindrucken neben den fantasievollen Blumenbeeten eine riesige Strauchroßkastanie und die 220 Jahre alte Blutbuche aus Fürst Pücklers Zeit.
Unser informativer Rundgang endet vorm Kavaliershaus, das als Theater diente, in dem der Fürst mitunter selbst auftrat, Regie führte oder Lieder trällerte.
Nach einem Cappuccino im Schlosscafe und dem gemeinsamen Essen im Restaurant „Grüner Fürst“ verabschieden wir uns von einem der wohl schönsten Landschaftsparks Europas und machen uns auf die Heimreise.
Ein herzliches Dankeschön an Brigitte Bergholter, Sabine Köttelwesch, Brigitte Noll und Sonja Rossettini für die Organisation dieser eindrucksvollen Exkursion.







Text: Georg Lerner
Fotos: Brigitte Bergholter, Andrea Bosken